June 27th 2017

Continua a muoverti

“Wissen Sie, warum Staub nicht an unserer schwarzen Madonna di Oropa haften bleibt?”

Seit meinem letzten Eintrag hier sind zwei Monate vergangen. Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Die Intensität des MBA-Programms stieg bis in die erste Juniwoche stetig an. Es musste einiges abgehakt werden. Einiges davon ähnelte wahrscheinlich dem Gefühl eines trainierten Delfins wenn dieses durch Reifen springt. Einfach. Anderes wiederum fiel mir deutlich schwerer. Ich konnte zudem auch feststellen, dass meine Verachtung für Noten mit zunehmenden Alter stärker wird.

Aber die Geschwindigkeit des MBA-Programms und die zeitlichen Einschränkungen waren nicht die einzigen Gründe für meinen Mangel an Aktivität hier auf diesem Blog. Die richtigen Worte entzogen sich mir. Deutsche Schriftsteller der Exilliteratur, wie Thomas Mann, welcher oft Schwierigkeiten hatte zu schreiben („writer’s block“), waren der Ansicht, dass “ein Schriftsteller jemand ist, für den das Schreiben schwieriger ist als für andere Menschen”.  (soll nicht heissen ich würde mich als Schriftsteller betrachten, und schon gar nicht auf dem Niveau eines Max Ehrmann).

Zweifeln ist menschlich, jeder muss sich damit auseinandersetzen.

Während einige unserer Bestrebungen dieses Jahr, in Bezug auf die anvisierte Tätigkeit nach Ende des Programms, sicherlich einem Element systemischer Unausweichlichkeit ausgesetzt sind und es einem so vorkommen mag, als ob man trotz all der Energie die wir investieren um neue Wege zu begehen trotz allem einer sozialen Konformität nachkommen, sollte man es stets vermeiden den Vergleich zu suchen.

Eine völlig andere Art von Ungewissheiten und Zweifeln wird während der kommenden „Navigating the Future“-Konferenzreihe angesprochen, welche uns den Austausch mit Führungskraften aus zahlreichen Sektoren ermöglichen wird. Während Themen wie die zunehmende Automatisierung und die Notwendigkeit eines neuen Ansatzes für die Gesundheitsversorgung (Präventation statt Behandlung) besprochen werden, frage ich mich persönlich immer wieder was für eine Rolle Europa in der globalen Arena zukünftig spielen soll. Werden wir zum Vassalen der neuen multipolaren Weltordnung, abhängig von Energieimporten, von unserer Demographie benachteiligt, unter dem Verlust an Gewicht auf der Weltbühne leidend? Oder werden aus uns Europäern geniale Avantgardisten, Vorreiter eines Gesellschaftsmodells welches auch nur mit sehr bescheidenem Wachstum und optimaler Ressourcennutzung auskommt und zur Blaupause für die Weltbevölkerung wird?

Während eines kürzlichen Aufenthalts mit dem Rest der Klasse in der Wallfahrtskirche von Oropa, eingebettet in den italienischen Alpen nördlich von Biella, fragte mich eine Person Nonne höheren Alters:

“Weißt du, warum der Staub sich nicht auf unsere schwarze Madonna setzen kann?”

“Nein, Madre, das weiss ich nicht.“

“Continua a muoverti“, sagt Sie.

“Sie bewegt sich und auch wir dürfen niemals stehen bleiben. Immer weitergehen.“

Und sie ging weiter.