July 24th 2015

Ein Aufenthalt in Hong Kong

Eindrücke eines ersten Aufenthalts in der asiatischen Hafenstadt, einstige ” Perle des Orients ” .

Riding a taxi in Hong Kong
Skyscraper Hong Kong
Hong Kong Wan Chai district
Wan Chai district Hong Kong
Hilly road in Hong Kong
Hong Kong Park Central
Hong kong park bird

Hong Kong. „Irgendwann muss ich da mal hin“.

Eine Stadt mit einer solchen Dichte, den zahlreichen Wolkenkratzern und einer multikulturellen Gesellschaft. Ob die „frühere Perle des Orients“ noch immer diesen Namen verdient?

Und siehe da, über meinen Arbeitgeber in Zürich ergibt sich eine Gelegenheit nach Hong Kong zu reisen. Die dortige Filiale – sowohl geographisch als auch kulturell vom Unternehmenssitz in der französischsprachigen Schweiz recht weit entfernt – ist bereit, in der Hoffnung ich könnte etwas zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Standorten beitragen, mich zu empfangen und mir die dortigen Marktbesonderheiten und Herausforderungen näher zu bringen. Ich beschliesse noch ein paar Tage Urlaub dranzuhängen um noch einige Freunde und Kollegen zu treffen und mir ein besseres Bild der Stadt und Region machen zu können.

Mit Hong Kong hatte ich bis anhin immer die Bilder der nachts in der Bucht tanzenden Lichter oder der labyrinthartigen Gassen der mittlerweile abgerissenen Kowloon Walled City assoziiert. Filme von Regisseur Wong Kar-wai mit den Schauspielern Maggie Cheung, Zhang Ziyi oder Tony Leung fallen mir ein. Auch die Werke von John Woo sowie andere Filmstars wie Chow Yun Fat, Jackie Chan, Jet Li und Michelle Yeoh. Die zahlreichen Referenzen an die lokale Filmindustrie sind aufgrund meiner Vorliebe für das Hong-Kong Genre nicht wirklich erstaunlich.

Es war an der Zeit sich vor Ort eine eigene Meinung zu bilden. Auf nach Hong Kong.
Nach einem zwölfstündigen Flug und einer 20minütigen Fahrt mit dem MTR (Mass Transit Railway) bin ich im Stadtteil Central angekommen. Bevor ich in eines der klimatisierten Taxis steige werde ich von einer feuchten Wärme umhüllt. Die Luft ist schwer. Der Feuchtigkeitsgehalt ist hoch. Hong Kong hat ein sub-tropisches Klima und das merkt man sofort. Mir wird auf Anhieb klar dass besonders ausgedehnte Spaziergänge sich auf die frühen Morgenstunden oder nach Sonnenuntergang beschränken sollten.

Das Taxi fährt jetzt Richtung Wan Chai, einem Stadtteil östlich von Central, und durch das Fenster fegt die Betonkulisse an mir vorbei. Es ist ruhig. Sehr ruhig. Linfa, ein Taifun der Kategorie 8 (auf einer Skala 1 von 10) ist soeben am östlichen Ufer des Perlenflusses, unweit von Hong Kong, vorbeigezogen. Die Geschäfte sind geschlossen, ein paar Fußgänger huschen durch Gassen und bis auf die wenigen roten Taxis (deren Preise bei dem Unwetter um das Zwei-bzw. Dreifache erhöht werden) sind die Straßen menschenleer.

Es stellt sich in den darauffolgenden Tagen heraus, dass der Taifun wieder etwas Ordnung in den Himmel über Hong Kong gebracht und das Ende einer mehrtätigen Regenphase eingeläutet hatte. Sonnige Tage waren nun an der Reihe und die Hafenstadt zeigte sich von ihrer gewohnten Seite. Voller Energie. Menschen aus aller Welt, dicht aufeinander, in einem Durcheinander von Sprachen und Gestik. Das Gehirn wird pausenlos stimuliert.

Im Zuge meiner Unterhaltungen mit Freunden und Kollegen, Unternehmern und Investoren, Taxifahrern und Restaurantmitarbeitern, Mönchen und Kampfkunstlehrern (Wing Chun ist – historisch bedingt – in Hong Kong besonders verbreitet), wird mit der Vielfältigkeit der Stadt bewusst. Mir fällt zudem auf, dass unternehmerisches Denken hier sehr stark gelebt wird. In Hong Kong Unternehmer zu sein, bedeutet schnell handeln zu können ohne besonders viel Zeit in vorherige Analysen zu investieren. Wenn im Laufe des Aufbaus etwas nicht passt, wird es eben passend gemacht. Für jemanden wie mich, der in Studienjahren immer wieder die Maxime „eine gute Vorbereitung ist alles“ gepredigt bekam, ist eine solche Herangehensweise zu Beginn etwas fremdartig gewesen. Aber sie macht durchaus Sinn, denn in Zeiten in denen sich der Wandel immer schneller vollzieht, sind Business-Pläne oft schon überholt bevor sie umgesetzt werden konnten. Die Menschen in Hong Kong haben gelernt flexibel zu denken und sich den ändernden Gegebenheiten immer wieder anzupassen. Und das ist auch eine der wichtigsten Komponenten in der DNA eines guten Unternehmers. Anpassungsfähigkeit.

Bevor ich wieder in den Flieger Richtung Zürich stieg, nahm ich mir noch die Zeit für einen Abstecher in Macau. Von Hong Kong aus erreicht man Macau recht bequem in einer Stunde mit der Fähre (und lediglich 15 Minuten mit den Sky Shuttle Helikoptern). Mein Interesse galt sowohl der Altstadt, welche nach wie vor von der portugiesischen Architektur geprägt wird, als auch dem Cotai Strip, diesem Landstreifen im Süden wo die Casinos des Venetian Macao und Galaxy, zwei der weltweit größten Casinos, stehen. Der dortige Konsumrausch ist beeindruckend und schwer in Worte zu fassen. Um das verstehen muss man vor Ort gewesen sein.

Mittlerweile sind fünf Tage verstrichen seitdem ich wieder in der Schweiz bin und auch wenn der Züricher See und diese einmalige Alpenkulisse in der Ferne absolut einzigartig sind, ich muss zugeben:

Hong Kong, ich vermisse deine Energie.

Sämtliche Bilder wurden mit einer Canon 5D Mark III und den Objektiven Canon EF 50mm 1.4, EF 85mm 1.8 und Canon 16-35mm 4.0 geschossen.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch und Französisch verfügbar.

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