January 15th 2015

Getrübte Ruhe

Wenn Währungsspiele auf Finanzmärkten Verheerung anrichten und die helvetische Ruhe trüben.

Mit Ausnahme von ein paar Tagen im Jahr, ist Zürich stets eine ruhige, friedliche und gelassene Stadt.

Die Schweizer der deutschsprachigen Kantone des Landes werden oft als ruhige, fleißige, pünktliche und diskrete Menschen beschrieben, die sich seltener zu emotionalen Ausbrüchen bewegen lassen als ihre Nachbarn im Süden (Tessiner und Italiener) und im Westen (Romands und Franzosen).

Ich kann dem, in vielerlei Hinsicht, eigentlich nur zustimmen und ein Teil von mir findet sogar Gefallen daran, da hierdurch Erinnerungen an preußische Werte geweckt werden. Werte, die meine deutschen Großeltern ihren Enkelkindern zu vermitteln versuchten.

Als ich vor ein paar Jahren in Zürich ankam, dachte ich zunächst die Stadt sei völlig verschlafen, meilenweit entfernt vom lebhaften und extravaganten Geist der französischen Hauptstadt in dessen Nähe ich aufgewachsen bin. Ich weiß mittlerweile, daß die Menschen hier genauso emotional sein können wie ihre Nachbarn mit lateinischem Blut. Sie sind einfach viel besser darin es zu verbergen.

Und heute, an diesem Donnerstag 15. Januar, nachdem die Schweizerische Nationalbank plötzlich beschloss die Euro-Franken Interventionsgrenze aufzugeben, wodurch blitzschnell Milliardensummen aus den Portfolios der Pensions-und Investmentfonds verschwanden, werde ich Zeuge von Ungläubigkeit und beinahe Schockstarre unter meinen Schweizer Kollegen.

Keine verborgenen Gefühle.

Telefone klingeln rechts und links.

Kunden, einige von Ihnen schwer getroffen von dem was da passiert ist, sind in einem panikähnlichen Zustand.

Mir geht ein vor ein paar Wochen geführtes Gespräch mit einem Freund aus Moskau durch den Kopf. Es ging dabei um den Fall des russischen Rubels.

„Wir sind verwundet, eindeutig, aber wir Russen sind robust und sind einen gewissen Mangel an Stabilität gewohnt. Das Leben geht weiter.“

Dies sind zweifelsohne instabile Zeiten für Europa und wer in Ihnen aufwächst, ganz gleich ob in Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Frankreich oder einem anderen betroffenen Land des alten Kontinents, wird wahrscheinlich eine Spur davon tragen.

Zu all dem und als jemand der deutlich dunklere Zeiten durchmachte, hätte der amerikanische Dichter Robert Frost wahrscheinlich geantwortet:

 

„Es gibt drei Wörter, die all das zusammenfassen, was ich über das Leben gelernt habe:

Es geht weiter.“

Bildmaterial mit einer Canon 5D Mark III und einem Canon EF 85mm 1.8 Objektiv geschossen.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch und Französisch verfügbar.

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