December 27th 2014

Opernhaus Garnier während der geschlossenen Zeiten

Wieso das prächtige Opernhaus einen Besuch am späten Nachmittag wert ist.

Graue und verregnete Spät-Dezembertage in Paris können aufs Gemüt drücken, eignen sich andererseits aber auch hervorragend zum Lesen, Freunde treffen oder eines der vielen kulturellen Angebote der Stadt zu nutzen.

Drittes ist eine gute Option um sich die Beine zu verdrücken und dabei gleichzeitig ein paar (gähnende) kulturelle Lücken zu füllen. Paris bleibt allerdings Paris und es gibt immer eine neue Ausstellung oder ein kulturelles Ereignis sodass  – auch wenn es man es tatsächlich schaffen sollte alles abzuklappern – das gesamte Spektrum der kulturellen Angebote dieser Stadt wohl niemals voll ausgeschöpft werden kann. Die gähnenden Lücken wird es daher wohl immer geben. „C’est la vie.“ könnte man dazu meinen.

Zurück zu unserem Opernhaus.

Ich habe bisher ein paar Aufführungen im Palais Garnier erlebt, jedoch nie die Gelegenheit gehabt das Gebäude wirklich zu erkunden. Als sich die Möglichkeit einer Visite während der geschlossenen Zeiten anbot wurde daher nicht lange gezögert.

Und die 90 Minuten, die eine solche Führung hinter geschlossenen Türen dauert, sind die Zeit absolut wert.

Die Visite beginnt im Pavillon des Abonnés, ein Zugang der einst allein den Abonnenten der Oper vorbehalten war. Der Pavillon ist mit der großen Eingangstreppe, ein Konstrukt aus weißem Marmor, direkt verbunden. Ganz egal wie oft man die Stufen hoch und hinunter geht, der „grand escalier“ beeindruckt immer wieder. Fresken zieren die Wölbungen der Decke. Figuren aus der griechischen Mythologie. Der Triumph der Kunst und der Harmonie über die Brutalität. Diese Referenzen tauchen immer wieder auf – so zum Beispiel auch im imposanten Grand Foyer, wo sich das soziale Leben des Opernhauses abspielt – und vermischen sich mit anderen Darstellungen.

Ohne solide Kenntnisse in Kunstgeschichte oder den Erklärungen einer versierten Person, ist es sehr einfach an all diesen Meisterwerken vorbeizulaufen und viele der Geheimnisse der Oper zu übersehen. Mit einer guten Führung wird einem plötzlich klar wieviel Symbolik in den auch nur kleinsten Details steckt und was für eine künstliche und intellektuelle Leistung bei der eklektischen Anordnung all dieser Werke nötig gewesen sein muss.

Das zweite große Plus eines solchen Besuchs hinter geschlossenen Türen liegt natürlich auch darin, einem das Gefühl zu vermitteln, man sei allein in diesem großen Palais. Die Besuchergruppen werden bewusst klein gehalten und es ist ein leichtes sich abzukoppeln. Seelenallein durch die Räumlichkeiten der Oper gehen zu können ist was Besonderes. Vor allem der „Grand Foyer“, ein in Anlehnung am Versailler Spiegelsaal geschaffener Raum für die Operngesellschaft, beeindruckt.

Kein Wunder dass dieser immer wieder gerne von einigen Haute Couture Häusern als Kulisse während der Pariser Fashion Week genutzt wird.

Das Opernhaus Palais Garnier ist an späten Nachmittagen während der geschlossenen Zeiten für kleine Besuchergruppen zugänglich.

Reservierungen können über Cultival  – “Les Mystères de Paris” getätigt werden.

Aufgrund der recht hohen Nachfrage sollten Buchungen ein paar Wochen im Voraus gemacht werden.

Bildmaterial mit einer Canon 5D Mark III und einem Canon EF 16-35mm 4.0 Objektiv geschossen.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch und Französisch verfügbar. 

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