March 22nd 2015

Von Kazan nach Prag

Wechsel: Land, Sprache und Ideen. Von Kazan nach Prag.

The Franco German

Es braucht eine gewisse Portion Mut um ein gut bekanntes Arbeitsumfeld, in welchem man sich etabliert hat, zu verlassen und in einem völlig neuen wieder von vorne zu beginnen. Wenn sich zu diesem Berufswechsel auch noch ein geographischer hinzugesellt, sind ein starker Wille und eine gute Anpassungsfähigkeit von Vorteil.

„Ein Schiff ist im Hafen sicherer als auf See. Doch wofür ist ein Schiff gebaut?“

– William Greenough Thayer Shedd

Und so begann es für Zulfiya. Sie ließ ihr Leben in der vertrauten Umgebung ihrer Heimatstadt Kazan, der Hauptstadt der Republik Tatarstan westlich des Uralgebirges in Russland, wo sie im Energiesektor arbeitete, zurück und begann ein zweites Leben. Als Student für Modedesign an der Universität in Prag.

In einem neuen Land. In einem neuen Umfeld.

„Ich beschloss meinem Instinkt zu folgen.“

Drei Jahre später und inzwischen am Ende ihres Studiums angelangt steht sie in ihrer Klasse als Ausnahmestudentin dar.

Am Ende ihres Austauschjahres in Porto monopolisierten ihre Zeichnungen  die Wände der Abschlussausstellung. Ihre Professoren gaben ihr Noten auf Entwürfe die sie nie wieder zu sehen bekam.

„Sie wollten diese unbedingt behalten und aufbewahren. Ich nahm es als Kompliment.“

Da einige ihrer Prüfungen in Prag mündlich laufen hat sie neben dem Studium die tschechische Sprache erlernen müssen. Sie spricht jetzt fließend und genießt ausgedehnte Gespräche in der westslawischen Sprache. Ein wahres Chamäleon.

„Mein Ziel war von Anfang an nach Paris zu gehen und dort zu arbeiten. Die französische Hauptstadt ist immer noch der wichtigste Puls der Modebranche.

Paris zieht mich nach wie vor an.“

Ich traf Zulfiya während ihrer Zeit in Porto. Gebräunt von der portugiesischen Sonne. Alles schien einfach für sie. Talent spielt eine Rolle. Die Genugtuung sein Schicksal selber in die Hände zu nehmen trägt ebenfalls etwas bei. Der Rest ist Disziplin.

Arbeits- und Studienerfahrungen im Ausland können sowohl die Türen der Nostalgie für vergangene Zeiten als auch das Fenster zu den Möglichkeiten eines neuen Lebens öffnen. Manche Menschen gehen in diesen Erfahrungen völlig auf und andere durchlaufen sie mit gemischten Gefühlen.

Sie gehört zur ersten Gruppe.

Während wir durch die Straßen Prags auf dem Weg zum Gemeindehaus laufen, einem der prächtigen Jugendstilgebäude der tcheschichen Hauptstadt, strahlt Zulfiya die Freude einer Frau aus die ihr Schicksal selbst in die Hand nahm und ihre Entscheidung niemals bereute.

Die Modebranche kann eine brutale Welt sein. Das war ihr von Anfang an klar. Praktikas werden kaum entlohnt und die Erwartungen sind hoch. Die Konkurrenz ist hart.

Sie bleibt unbeeindruckt.

Und geht ihren ganz eigenen Weg.

Sämtliches Bildmaterial mit einer Canon 5D Mark III und den Objektiven Canon 85mm 1.8 und Canon 16-35mm 4.0 erstellt.

Dieser Artikel ist auch in den Sprachen Französisch und Englisch erhältlich.

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