The Franco German
January 4th 2015

Warum fotografieren?

Warum bzw. wieso, nicht was und wie.

Vor ein paar Monaten fragte mich mein Vater was es denn mit mir und der Fotografie auf sich habe.

„Was interessiert Dich daran?“

„Was wirst Du mit all diesen Bildern tun?“

„Bist Du sicher deine Zeit nicht besser investieren zu können?“

Eine Passage aus einem Bond Film flimmerte kurz durch meine grauen Zellen und Medienbaron Elliot Carver (gespielt von Jonathan Pryce) erklärt: „Als ich sechzehn Jahre alt war, arbeitete ich für eine Zeitung in Hongkong. Die Zeitung war miserabel, aber mein Vorgesetzter lehrte mich etwas Wichtiges. Der Schlüssel zu einer gelungenen Geschichte ist nichtWer?“, “Was?oderWann?“, sondernWarum?“.“

Warum bzw. wieso, nicht was und wie.

Warum fotografieren?

Unser Leben definiert sich durch Entscheidungen, Prioritäten und wir haben nur eine begrenzte Menge an Zeit und Energie zur Verfügung.

Was animiert uns?

Wieso treffen wir diese und nicht jene Wahl?

In der Finanzwelt geht vieles schnell. Sehr schnell.

Außerhalb der Arbeit hat Sport, wie für viele meiner Kollegen, immer schon eine Ausgleichrolle gespielt.

Ende Sommer 2014 zog ich mir jedoch eine Schulterverletzung zu und für einige lange Monate hieß es dann erstmal Abstand zu nehmen und sich ruhigeren Beschäftigungen zu widmen.

Keine intensiven sportlichen Betätigungen des Oberkörpers.

Kein Schlafen auf der rechten Körperseite.

Das Herausnehmen von Büchern aus Regalen oberhalb der Schulterhöhe musste nun antizipiert werden.

Wurfbewegungen mit dem rechten Arm kamen mir plötzlich unmöglich vor.

Ich suchte also nach einer Ersatzbeschäftigung.

Einem neuen Ausgleich.

Und neben Mandarin-Unterricht wurde Fotografie schnell zu einer neuen Lieblingsbeschäftigung. Die Fotografie entzog mich meiner bisherigen Routine, veränderte mein Sehen und die Wahrnehmung meiner Umgebung. Zudem hat sie etwas Entspannendes und bleibt eine relativ leicht zugängliche Art der Kreativität, die jedoch auch analytisches Denken belohnt. Und wenn man einmal damit angefangen hat, fällt es einem schwer damit aufzuhören.

Aber die Fotografie ermöglicht es vor allem etwas zu erzählen. Auf eine ganz eigene Art. Sie zeigt, statt zu erklären. In manchen Fällen kann sie inspirieren. Als die Idee eines persönlichen Blogs langsam konkretere Züge annahm, wurde mir klar dass ich – so sehr ich das Schreiben auch mag –  keinen reinen Textblog haben wollte. Fotografie und Text ergänzen sich. Und manchmal eignen sich Bilder einfach besser als Worte.

Deshalb Fotografie.

Ich warte allerdings nach wie vor gespannt auf den Tag an dem mir mein Arzt grünes Licht für etwas intensivere sportliche Betätigung gibt.

Dieser Tag kann nicht schnell genug kommen.

Bildmaterial mit Canon 5D Mark III und einem 16-35mm 4.0 Canon Objektiv geschossen.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch und Französisch verfügbar.

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